Q&A mit „Fridays for Future“

Exklusiv für Alsterplanke haben sich zwei junge Damen, die bei „Fridays for Future“ demonstrieren, dazu bereit erklärt sich unseren interessierten Fragen über Nachhaltigkeit zu stellen. Ginni, 19 Jahre, ist Studentin im Fach „Kommunikationsdesign“ und kommt aus Düsseldorf. Bei „Fridays for Future“ ist sie als Delegierte tätig. A ist 17 Jahre alt, Schülerin, und in der PresseAG bei „Fridays for Future“ tätig. Alsterplanke präsentiert euch nun ihre Antworten auf unsere Fragen im Interview.

 

Ihr streikt für mehr Klimaschutz. Um was geht es euch dabei konkret und an wen richten sie sich?

Ginni: Unsere Bewegung richtet sich konkret an die Politik, dazu haben wir auch Forderungspapiere veröffentlicht, weil wir auch immer nach konkreten Plänen gefragt wurden. Unser Hauptziel ist es, die Erderwärmung aufzuhalten. Wir möchten erst die nationale und später die internationale Politik beeinflussen, denn natürlich muss erstmal national alles funktionieren.

A: Es geht darum, dass der Klimawandel uns alle und die Umwelt ziemlich negativ beeinflussen wird. Es wird viel Zerstörung und Leid über den Planeten kommen als Folge und es ab einem gewissen Punkt unaufhaltsam und immer schlimmer wird, wenn wir nicht handeln.

 

An welchen Stellen gibt es eurer Meinung nach in der Politik noch den größten Verbesserungsbedarf?

Ginni: Das ist eine schwierige Frage, weil Klimaschutz und Klimagerechtigkeit ein ganzheitliches Konzept sind und man in vielen Aspekten, wie beispielsweise in Mobilität, Unterbringung oder ökonomischen Aspekten, politisch nachhaltig handeln muss.

A: Ich würde sagen besonders wichtig ist der Umgang mit den großen Konzernen, da diese auch den größten Einfluss haben, und da würde ich beispielsweise vor allem auch die Transportgruppen oder die Massentierhaltung dazuzählen.

 

Wie steht ihr zu gesetzlichen Verpflichtungen zur Nachhaltigkeit - also dass z.B. Bio der gesetzliche Standard wird? Ist das realistisch?

Ginni: Ich finde es gut aber damit es auch realistisch wäre, müsste man selbst als Land auch die nötigen Grundlagen dafür schaffen. Natürlich kann man sagen, man ist verpflichtet nur noch Bio zu verkaufen und zu kaufen, aber ist es realistisch für einkommensschwächere Haushalte oder Menschen die jetzt keinen Bio-Markt in der Nähe haben? Und wie wird es umgesetzt? Ist es damit verbunden, dass man konkrete Gesetze dazu macht, dass konventionelle Landwirtschaft nicht mehr erlaubt ist? Das ist ein vielschichtiges Thema.

A: Ich finde dass gesetzliche Initiativen ein Angriffspunkt wären, aber aktuell eher nicht unbedingt realistisch sind. Ich finde eher, dass ein Umdenken der Bevölkerung notwendig ist, daher sind wir auch so präsent auf den Straßen. Allerdings wäre es auch nicht falsch, wenn die Regierung etwas mehr in diese Richtung ginge und hilft, sodass auch der Normalverbraucher feststellt, dass er wirklich persönlich etwas tun kann und nicht in der Masse untergeht und nicht wichtig ist, denn ich finde jeder kann etwas dazu beitragen.

 

Wie ist es für die Gesellschaft momentan, „Nachhaltigkeit“ aktiv in das tägliche Leben zu integrieren?

 A:,Also die Nachhaltigkeit ist meiner Meinung nach in meinem Umfeld schon recht bewusst geworden und ich finde das muss selbst jeder realisieren, doch dafür muss generell in der Politik und im Bildungssystem etwas geändert werden, weil es viele Menschen gibt die sich darüber lustig machen, wenn sich Menschen nachhaltig durch die Welt bewegen.

Ginni: Ich kann dem nur zustimmen. In meinem Umfeld ist Nachhaltigkeit auf jeden Fall auch ein Thema und auch hier muss die Politik aktiv anfangen „Brücken“ zu bauen, dass so etwas zur Norm wird und nichts Exotisches bleibt, was sich beispielsweise nur einkommensstarke Menschen leisten können, weil sonst hat es keinen Effekt und bleibt fruchtlos. Klima Gerechtigkeit und klimagerechtes Leben muss für alle so selbstverständlich sein wie in Deutschland sauberes Wasser aus der Leitung selbstverständlich ist.

A: Es ist wichtig, dass ein Umdenken stattfindet. Ich finde es muss auch nicht nur von der Politik ausgehen, sondern es muss auch von jedem Einzelnen ausgehen. Ich habe beispielsweise auf meiner eigenen Klassenfahrt meine Mitschüler angeregt, dass wir mindestens einmal in ein veganes Restaurant gehen. Jeder kann kleine Schritte tun und das finde ich sehr wichtig, damit Nachhaltigkeit auch in der Gesellschaft ankommt.

Ginni: Ich sage immer gerne: Wenn viele Leute kleine Sachen machen, dann rechnet sich das trotzdem. Viele kleine Gesten können eine große Sache bewirken.

A: Definitiv.

 

Welche konkreten Änderungen im Alltag habt ihr selbst persönlich vorgenommen um nachhaltiger zu werden?

Ginni: ich habe zum Beispiel nicht mal einen Führerschein gemacht damit ich nicht mal Autofahren kann, auch wenn ich es wollte, damit ich mich selber dazu anhalte klimaneutral unterwegs zu sein, da ich keine andere Möglichkeit hab. Ich kaufe unverpackte Produkte, so weit es geht, ich lebe vegan und ich versuche minimalistisch zu leben. Ich sage mal das sind kleine Schritte und ein klimagerechtes Leben ist ein Prozess, so wie jeder andere Lebensstil auch ein Prozess ist, aber es gibt immer etwas, was man tun kann. Ich persönlich versuche so viel zu tun wie ich kann.

A: Dem würde ich zustimmen, denn jeder Schritt ist besser als gar kein Schritt. Ich lebe seit meiner Geburt vegetarisch. Meine Eltern haben mich zum Glück so erzogen, wofür ich sehr dankbar bin. Und in der Schule kann man beispielsweise darauf achten, dass man recyceltes Papier nimmt, das CO2-neutral ist. Man sollte auch so Hochglanzverpackungen vermeiden, sondern sich als Beispiel eine eigene Flasche mitnimmt. Ich habe eine Flasche aus Edelstahl, die ich immer dabei habe und auffüllen kann. Außerdem habe ich zum Beispiel auch keine Zahnpasta mehr sondern habe jetzt Denttabs, dir auch meiner Meinung nach sehr viel praktischer sind für unterwegs. Man kann auch Freunde anregen und nett darüber reden, das finde ich ziemlich wichtig, weil es dann in Leuten auch einen Denkprozess auslöst.

Ginni: Sich mit anderen austauschen und ein gutes Vorbild zu sein ist super super wichtig!

A: Ja und wenig und bewusst konsumieren finde ich auch sehr wichtig. Das heißt,  dass man sich bei jedem Kauf bewusst ist, was das Produkt eventuell kann. Man muss nicht von Anfang an perfekt sein, aber wenn man dieses Bewusstsein entwickelt hat, dann wird man nach und nach von selber immer besser. Ich bin selbst nicht perfekt, ich bin selber mit einem Flugzeug auf Klassenfahrt geflogen, allerdings ist das schulisch und dafür versuche ich in anderen Bereichen mein Bestes zu tun.

 

 

Seht ihr auch - jetzt abgesehen vom Gemeinwohl - einen individuellen Nutzen darin, nachhaltiger zu leben, was vielleicht noch mehr Leute dazu anregen könnte?

A: Also ich würde definitiv sagen, dass ein bewussteres Leben viel mehr für Dankbarkeit sorgt. Mit dem neu gewonnenen Bewusstsein kann man sich viel mehr Dinge vor Augen halten und viel mehr genießen. Mir hilft auch die Community sehr persönlich, denn man kann dort mit Leuten reden. Ich gehe auch davon aus, dass wenn mehr Leute Bewusstsein für Nachhaltigkeit haben auch das Bewusstsein der Gesellschaft für andere Dinge geschärft wird und sie sich dadurch etwas anders entwickelt, als es zur Zeit der Fall ist.

Ginni: Ich persönlich fühle mich nicht so als würde ich etwas für den Planeten tun, sondern ich lebe einfach nicht über meine Verhältnisse. Für mich ist es schon normal so zu leben und wenn ich über meine Verhältnisse leben würde, würde ich mich persönlich schlecht fühlen, weil mir das nicht zusteht. Selbstverständlich haben wir ja auch alle eine Nutzen daraus, da wir auf diesem Planeten leben und es einfach dumm wäre, den Ast abzusägen auf dem wir sitzen, aber genau das machen die Menschen gerade. Ich glaube auch viele - gerade wohlhabende - Menschen gehen nicht davon aus, dass die Auswirkungen irgendwann zu ihnen durchdringen werden, aber das werden sie definitiv.

 

Wie stellt ihr euch eine optimale Zukunft momentan vor?

Ginni: Für mich wäre eine optimale Zukunft wenn die Politik sich an das Pariser Klimaabkommen halten würde, sogar noch mehr machen würde, beispielsweise es den Bürgern ermöglichen würde biologisch angebaute Produkte den Konventionellen vorzuziehen, vielleicht in Form von Subventionen. Es ist auch beispielsweise so, dass „Bio“ ein Siegel ist für das man sehr viel Geld bezahlen muss, um das anerkannt zu bekommen. Damit will ich nicht sagen, dass man das Siegel kaufen kann, aber wenn man möchte, dass seine Produkte als Bio anerkannt werden, dann kostet das einen Haufen Geld, weil man das genehmigen muss. An diesem Punkt könnte die Politik zum Beispiel gut subventionieren. Außerdem könnte sie aufhören Flüge zu subventionieren und stattdessen in den nationalen Bahnverkehr und den Öffentlichen Nahverkehr investieren. Außerdem wäre es ein guter Schritt, wenn die Städte viel fahrradfreundlicher werden würden, weil wenn ich zum Beispiel in Düsseldorf Fahrrad fahren möchte, dann werde ich quasi an jeder Ecke überfahren, wenn ich abbiegen möchte. Man merkt manchen Städten einfach an, dass sie von und für Menschen gemacht werden, die sich primär mit dem Auto fortbewegen. Ich finde es viel besser wenn die Infrastruktur so gestaltet werden würde, dass Städte auch klimafreundlicher sind, zum Beispiel auch mit mehr Grünanlagen oder öffentlichen Gärten mit Nutzpflanzen, aber dass vor allem auch der öffentliche Personenverkehr optimiert wird. Es muss Platz und Sicherheit für Busse & Bahnen, aber auch Fußgänger und Fahrradfahrer geschaffen werden. 

A: Ja ich würde zusätzlich noch auf den gesellschaftlichen Aspekt eingehen. Ich würde mir wünschen, dass das Bewusstsein bei viel mehr Leuten einfach aktuell da wäre. Wenn die Leute die Personen, die versuchen minimalistisch und mit einem möglichst niedrigen CO2-Fußabdruck zu leben, nicht als Extremisten, die Seltsamen oder die Übertreibenden ansehen, sondern wenn es eher als seltsam gelten würde wenn man extrem konsumiert und verschwendet und das nicht mehr das Normale wäre. Es wäre toll, wenn sich die Leute ins Bewusstsein rufen, dass es nicht angemessen ist über seine Verhältnisse zu leben und dass wir nicht weiterhin so tun können als hätten wir mehr Ressourcen, als wir letztendlich haben und aufhören auf Kosten der nächsten Generation und der Umwelt zu leben. Ich würde mir wünschen, dass wir nicht schräg angeschaut, runtergemacht oder angegriffen werden, ob als FridaysForFuture Bewegung oder als Einzelperson. Außerdem sollte sich auch nicht die Diskussion darauf richten ob Schüler jetzt schwänzen dürfen oder nicht, sondern wie wir aktiv etwas dafür tun können, dass unsere Zukunft und die der folgenden Generation gesichert ist mit einem Lebensstandard, der auch angemessen ist.

 

 

Inwiefern würden Sie „Alsterplanke“ als nachhaltiges Unternehmen einschätzen?

A: Also ich denke „Alsterplanke“ hat ziemlich klimaneutrale Grundsätze, da es auch wichtig ist für die Nachhaltigkeit langlebige Produkte herzustellen.

Ginni: Also ich finde es persönlich mega gut, dass ihr alte Gerüstbohlen verarbeitet, also recycelt und von bereits existierenden Rohstoffen profitiert. Ich versuche persönlich auch immer Second Hand zu kaufen, wenn es möglich ist, und ich finde das ist ein gutes Beispiel dafür, dass auch Unternehmen recyceln können und es etwas ist, wo man Unternehmen auch zur Verantwortung ziehen kann und in dem Sinne macht ihr das schon richtig und handelt nachhaltig. Was mich auch beeindruckt ist dass ihr Meertransporte vermeidet und Sachen aus Handarbeit herstellt, weil Menschen können grundsätzlich nachhaltiger arbeiten als eine Maschine. Meiner Meinung nach macht ihr da schon Vieles richtig.

A: Ja ich finde das ist auch ein wichtiger Aspekt für die Gesellschaft, dass man von langlebigen Produkten profitiert und nicht auf schnellen und billigen Konsum setzt.

Ginni: Vor allem ist es auch nachhaltig, dass ihr nur auf Anfrage produziert, also keinen unnötigen Müll aus Überproduktionsgründen herstellt. Es ist also keine „Fast Furniture“ - also ihr kennt sicherlich „Fast Fashion“ und ich weiß nicht ob es den Begriff gibt, aber ich nutze ihn jetzt einfach mal - das ist ja das was Ikea im Prinzip macht. Sie stellen Möbel her, das hält vielleicht 1-2 Umzüge und dann wird es halt auch weggeschmissen und ihr fertigt Möbel auf Bestellung aus recyceltem Material an, die man auch nicht einfach wegschmeißt, wenn man umzieht oder wenn sie einem nicht mehr gefallen. Das ist meiner Ansicht nach nachhaltige Ware.

 

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